Finanzen

Geld anlegen für Kinder: Was sich über 18 Jahre wirklich lohnt

Sparbuch, Festgeld oder ETF-Depot? Die Produktfrage ist die kleinere — entscheidend sind der Zeitraum und die Frage, auf wessen Namen das Depot läuft.

Junge mit Sparschwein spart Geld

100 Euro im Monat, 18 Jahre lang, sieben Prozent im Schnitt: Daraus werden rund 43.300 Euro. Eingezahlt hast du davon 21.600 Euro — den Rest hat die Zeit gemacht.

Diese Zahl steht in fast jedem Ratgeber, und sie stimmt auch. Nur ist die Produktfrage — Sparbuch, Festgeld oder ETF — nicht die erste Entscheidung, die du treffen musst. Die erste lautet: Über welchen Zeitraum legst du an? Und die zweite: Auf wessen Namen läuft das Ganze?

Das Wichtigste in Kürze
  • Über 18 Jahre führt am Aktienmarkt kaum ein Weg vorbei. Sparbuch und Tagesgeld verlieren über diesen Zeitraum real an Wert, egal wie die Zinsen gerade stehen.
  • Von 43.300 Euro nominal bleiben real rund 30.300. Die Inflation kostet bei 18 Jahren Laufzeit etwa 30 Prozent des Endwerts — die meisten Rechner zeigen nur den Wert davor.
  • Läuft das Depot auf dein Kind, gehört das Geld ihm. Mit 18 hat es vollen Zugriff, und du kannst nichts dagegen tun.
  • Steuerfrei bleiben 13.384 Euro Kapitalerträge im Jahr. Praktisch gedeckelt wird das aber von der Familienversicherung — die endet 2026 schon bei 6.780 Euro Jahreseinkommen.
  • Die Rate ist zweitrangig. 25 Euro im Monat ab der Geburt schlagen 50 Euro ab dem zehnten Geburtstag. Anfangen ist wichtiger als das reine Optimieren.

Sparbuch, Festgeld oder ETF-Depot: was über 18 Jahre übrig bleibt

Die Antwort hängt an einer einzigen Größe: dem geplanten Anlagezeitraum. Wer nur drei Jahre investiert, fährt mit Tagesgeld besser. Je länger das Geld liegen bleiben kann, desto mehr dreht sich die Rechnung. Über 18 Jahre — bis dein Kind volljährig ist — sind nicht die Marktschwankungen das Risiko, sondern der Kaufkraftverlust.

Um die Renditen zu vergleichen, haben wir uns die gängigen Produkte angeschaut:

  • Sparbuch: Der Klassiker vom Taufpaten, und über 18 Jahre der teuerste Weg. Die Verzinsung liegt praktisch immer unter der Inflation. Was ankommt, ist weniger wert als das, was eingezahlt wurde.
  • Tagesgeld: Sinnvoll als Puffer für absehbare Ausgaben — Führerschein, erstes Auto, Auslandsjahr. Nicht als 18-Jahres-Anlage.
  • Festgeld: Etwas mehr Zins, dafür fest gebunden. Bei mehrjährigen Laufzeiten und einem Kind, das noch 15 Jahre bis zur Volljährigkeit hat, ist das eine unnötige Einschränkung.
  • Bausparvertrag: Wird gern fürs Kind verkauft, koppelt aber Sparen an einen Immobilienkredit, den niemand absehen kann. Für reinen Vermögensaufbau ist das das falsche Werkzeug.
  • Breit gestreuter ETF-Sparplan: Anlagen am Kapitalmarkt schwanken. Aber je länger der Anlagezeitraum, desto höher die Wahrscheinlichkeit, am Ende im Plus zu liegen. Über 18 Jahre spricht genau das für den Kapitalmarkt.

Zur Verdeutlichung habe ich einen Rechner gebaut, mit dem du die Varianten nebeneinanderlegen kannst.

Rechner

Sparbuch, Tagesgeld oder Aktien — was bleibt real übrig?

Eingezahlt 21.600 €
Sparbuch real 15.828 €
Tagesgeld real 18.216 €
Aktien / ETF real 30.333 €
Eingezahlt Sparbuch Tagesgeld Aktien / ETF

Die gestrichelte Linie sind deine Einzahlungen. Das Sparbuch liegt real darunter — die Inflation frisst mehr, als der Zins einbringt. Fürs Tagesgeld gilt dasselbe, sobald die Verzinsung unter der Inflation bleibt.

Die 18 Jahre sind dabei eine Modellrechnung. Fürs Kinderdepot betrachten wir die Zeit bis zum 18. Geburtstag, aber in der Realität zieht dein Kind vielleicht schon mit 16 zur Ausbildung aus. Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem das Geld gebraucht wird, desto mehr gehört in den sicheren Teil.

Welcher ETF es am Ende wird, ist die kleinere Frage. Breit gestreut über viele Länder und Branchen, thesaurierend, ausreichend Fondsvolumen, niedrige laufende Kosten — mehr braucht ein Sparplan über 18 Jahre nicht. Welche Fonds diese vier Kriterien erfüllen, habe ich im Ratgeber zum ETF fürs Kind zusammengestellt.

Auf wessen Namen das Depot laufen sollte

Diese Frage solltest du vor dem Eröffnen eines Juniordepots klären, denn einmal getroffen, lässt sie sich nicht zurückdrehen. Geld, das auf den Namen deines Kindes läuft, gehört rechtlich dem Kind. Du verwaltest es nur.

Für das Depot auf den Namen des Kindes spricht die Steuer. Dein Kind hat eigene Freibeträge, die sonst ungenutzt verfallen: 13.384 Euro Kapitalerträge im Jahr bleiben steuerfrei, wenn du eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragst und bei der Bank einreichst. Außerdem ist die Trennung sauber — dieses Geld ist für das Kind, Punkt.

Dagegen sprechen drei Dinge. Mit 18 hat dein Kind vollen Zugriff, und ob es das Geld für eine Ausbildung oder ein Auto ausgibt, entscheidet es allein. Eigenes Vermögen kann beim BAföG angerechnet werden — der Freibetrag liegt bei 15.000 Euro für unter 30-Jährige. Und die beitragsfreie Familienversicherung endet 2026 schon bei 6.780 Euro Jahreseinkommen, Kapitalerträge zählen mit. Das ist der echte Deckel, nicht der beworbene Steuerfreibetrag. Treffen wird es die wenigsten — relevant wird es erst, wenn Großeltern größere Beträge übertragen. Wie du die Freibeträge des Kindes richtig nutzt und was die Nichtveranlagungsbescheinigung bringt, steht im Ratgeber zum Kinderdepot.

Wie ich mich entschieden habe

Zur Einordnung: dadbase ist mein Hobbyprojekt, hauptberuflich arbeite ich seit über zehn Jahren in der Finanzbranche und verantworte finanzwissen.de. Diese Frage bekomme ich entsprechend oft gestellt.

Meine Antwort ist unspektakulär, denn ich fahre zweigleisig. Ich führe ein kleineres Depot auf den Namen meines Sohns, um seine Freibeträge auszunutzen. Den größeren Teil des Geldes investiere ich in meinem Namen. Damit bleibt die Entscheidung, wann und wofür das Geld fließt, bei uns, ohne dass wir die Steuervorteile komplett liegen lassen.

Wer nur einen Weg gehen will: Das hängt von eurer Anlagestrategie ab. Der Steuervorteil des Kinderdepots wiegt bei normalen Sparraten weniger als die Flexibilität, und der 18. Geburtstag kommt schneller, als man denkt. Wollt ihr trotzdem ein Kinderdepot nutzen, findest du in meinem Junior-Depot-Vergleich eine passende Auswahl.

Wie viel Geld sollte ich monatlich anlegen?

Rechner

Was aus deinem Sparplan fürs Kind wird

Eingezahlt 21.600 €
Endwert nominal 43.323 €
Endwert real nach Inflation 30.333 €
Eingezahlt Zinsen Realwert

Im Rechner siehst du eine Renditeannahme von sieben Prozent im Jahr. Den Wert habe ich nicht gegriffen, sondern an den langfristigen Renditen breit gestreuter Welt-ETFs orientiert. Die vergangenen zehn Jahre lagen sogar deutlich darüber: Der MSCI All Country World Index — eine beliebte Basis für Welt-ETFs — schaffte in dieser Zeit im Schnitt gut zehn Prozent im Jahr. Zehn starke Jahre sind aber keine Grundlage für eine Rechnung über achtzehn, deshalb bleibe ich bei den sieben.

Spiel mit deinen eigenen Zahlen — und sieh dabei auf den rechten Wert. Der mittlere ist der, der überall steht: Bei 100 Euro im Monat klingen 43.323 Euro nach einer Menge Geld. In heutiger Kaufkraft sind es 30.333 Euro. Rund 30 Prozent des Endwerts gehen an die Inflation, und das ist der wichtigste Teil dieser Rechnung.

Auch die Renditeannahme verschiebt das Ergebnis deutlich: Mit vier Prozent statt sieben landest du bei derselben Rate nur noch bei 31.664 Euro nominal — knapp 12.000 Euro weniger.

Papa-Tipp

Früh schlägt viel. 25 Euro im Monat ab der Geburt ergeben nach 18 Jahren rund 10.800 Euro. 50 Euro ab dem zehnten Geburtstag kommen auf knapp 6.500 — bei doppelter Rate. Der Unterschied ist nicht das Geld, sondern die Zeit, und die bekommst du nicht zurück. Wenn du unsicher bist, fang klein an und erhöhe später.

Mein Fazit: Erst der Zeitraum, dann das Produkt

Die meiste Zeit geht bei diesem Thema für die falsche Frage drauf. Welcher ETF es wird, ist über 18 Jahre fast egal, solange er breit streut und wenig kostet. Entscheidend sind die beiden Fragen davor: wie lange das Geld liegen bleibt — und ob das Depot auf dein Kind läuft oder auf dich.

Und die Zahl, die du dir merken solltest, ist nicht die aus dem Rechner. Es ist die daneben: die, die zeigt, was am Ende noch an Kaufkraft übrig bleibt.

Häufige Fragen zum Geldanlegen für Kinder

Wie viel sollte ich monatlich für mein Kind anlegen?

Es gibt keine richtige Rate — entscheidend ist der Zeitraum. 25 Euro im Monat ab der Geburt ergeben nach 18 Jahren mehr als 50 Euro ab dem zehnten Geburtstag. Fang mit einem Betrag an, den du auch in einem schlechten Monat stehen lassen kannst, und erhöhe später.

Lohnt sich ein Sparbuch für Kinder noch?

Für einen Zeitraum von 18 Jahren nicht. Die Verzinsung liegt praktisch immer unter der Inflation, das eingezahlte Geld verliert also real an Wert. Als Puffer für absehbare Ausgaben in den nächsten ein bis drei Jahren ist ein Tagesgeldkonto die bessere Variante.

Depot auf den Namen des Kindes oder auf meinen?

Auf den Namen des Kindes nutzt du dessen Steuerfreibeträge, gibst aber die Kontrolle ab: Mit 18 verfügt dein Kind allein über das Geld, und eigenes Vermögen kann beim BAföG angerechnet werden. Auf deinem eigenen Namen behältst du die Flexibilität und zahlst auf die Erträge deine eigenen Steuern.

Wie viel darf mein Kind steuerfrei an Kapitalerträgen haben?

13.384 Euro im Jahr — Grundfreibetrag 12.348 Euro plus Sparerpauschbetrag 1.000 Euro plus 36 Euro Sonderausgabenpauschale. Dafür brauchst du eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt. Achtung: Die beitragsfreie Familienversicherung endet 2026 bereits bei 6.780 Euro Jahreseinkommen.

Welcher ETF eignet sich für ein Kinderdepot?

Einer, der breit über viele Länder und Branchen streut, thesauriert, ausreichend Volumen hat und wenig kostet. Ein einzelner weltweiter ETF reicht für einen Sparplan über 18 Jahre vollkommen — mehrere Positionen erhöhen vor allem den Aufwand.

Wie viel dürfen Großeltern steuerfrei aufs Kinderdepot überweisen?

Je Großelternteil 200.000 Euro alle zehn Jahre, je Elternteil 400.000 Euro, bei Paten, Tanten und Onkeln sind es 20.000 Euro. Praktisch relevant wird das selten. Wichtiger ist: Überwiesenes Geld ist geschenkt und gehört ab diesem Moment dem Kind.

Was passiert mit dem Depot, wenn mein Kind 18 wird?

Läuft es auf seinen Namen, verfügt es ab dem 18. Geburtstag allein darüber — unabhängig davon, wofür das Geld gedacht war. Wenn dir das zu weit geht, gehört zumindest ein Teil auf deinen eigenen Namen.

Geschrieben von
Gründer von dadbase und Vater eines Dreijährigen

Hi, ich bin Sebastian, Vater eines dreijährigen Sohns und Betreiber von dadbase. Auf diesem Portal schreibe ich über alle Themen, die mich als Vater umtreiben und teile dabei meine persönlichen Erfahrungen.

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