Finanzen

Die besten ETFs für Kinder: Diese vier Fonds überzeugen wirklich

Ein Welt-ETF reicht fürs Kinderdepot. Welche vier Kriterien zählen, vier konkrete Fonds im Vergleich und was die Kosten über 18 Jahre ausmachen.

Vater zeigt seinem Kind am PC einen Welt-ETF

Ein breit gestreuter Welt-ETF kostet 0,07 Prozent im Jahr. Ein klassischer Kinderfonds von der Hausbank gern 1,5 Prozent. Über 18 Jahre und 100 Euro im Monat sind das rund 6.000 Euro Unterschied — bei exakt derselben Marktentwicklung.

Das ist die Zahl, die bei der ETF-Auswahl zählt. Innerhalb der ETF-Welt geht es dann nur noch um Nachkommastellen, und genau da verlieren sich die meisten Eltern. Ich bekomme regelmäßig Mails mit Listen von fünf oder sechs Fonds, die zusammen die perfekte Streuung ergeben sollen. Für ein Depot, das 18 Jahre unangetastet laufen soll, ist das der falsche Aufwand am falschen Ende.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein einziger Welt-ETF reicht. Mehr Positionen bringen kaum zusätzliche Streuung, kosten aber Aufmerksamkeit, die du über 18 Jahre nicht aufbringen willst.
  • Thesaurierend ist fürs Kinderdepot die bessere Wahl. Erträge werden automatisch wieder angelegt, und die steuerpflichtigen Erträge bleiben niedriger.
  • MSCI World gegen FTSE All-World ist eine Entscheidung über den USA-Anteil. 69 gegen 59 Prozent — und darüber, ob Schwellenländer abgedeckt werden.
  • Kosten zählen, aber weniger als gedacht. Zwischen 0,07 und 0,20 Prozent liegen über 18 Jahre rund 600 Euro. Zwischen 0,07 und 1,5 Prozent liegen 6.000.
  • Fondsvolumen und Alter sind das unterschätzte Kriterium. Ein Fonds, der mitten in der Laufzeit geschlossen oder verschmolzen wird, macht Arbeit und kann Steuern auslösen.

Ein einziger ETF reicht für ein Kinderdepot

Ein breit gestreuter Welt-ETF hält je nach Index zwischen 1.300 und 5.000 Einzelaktien aus 20 bis 50 Ländern. Wer dazu noch einen Europa-ETF, einen Technologie-ETF und einen Dividenden-ETF legt, streut nicht breiter — er verschiebt nur Gewichte und kauft dieselben Unternehmen ein zweites Mal.

Dazu kommt der praktische Teil. Jede zusätzliche Position bedeutet einen weiteren Sparplan, eine weitere Zeile in der Steuerbescheinigung und irgendwann die Frage, ob man nicht umschichten sollte. Über 18 Jahre ist genau dieses Nachjustieren der teuerste Teil — nicht die Gebühr. Ein Depot, das du vergessen kannst, schlägt eines, das du ständig anfasst.

Ein zweiter Baustein ergibt nur dann Sinn, wenn der erste eine Lücke lässt, die du bewusst schließen willst. Dazu weiter unten mehr — das betrifft vor allem die Schwellenländer.

Diese vier Kriterien entscheiden beim ETF für Kinder

  • Breite Streuung: Ein weltweiter Index über viele hundert Unternehmen und mehrere Regionen. Einzelne Länder, Branchen oder Themen gehören nicht in ein Depot, das 18 Jahre unangetastet laufen soll — denn heute weiß niemand, welche Branche 2044 vorn liegt.
  • Thesaurierend: Ausschüttungen werden automatisch wieder angelegt, statt auf dem Verrechnungskonto zu liegen und auf eine Anweisung von dir zu warten. Das spart Arbeit und hält die laufenden steuerpflichtigen Erträge niedrig, was beim Depot auf den Namen des Kindes zählt.
  • Fondsvolumen und Alter: Ein Fonds mit mehreren Milliarden Euro Volumen und einigen Jahren Historie wird kaum mitten in der Laufzeit geschlossen. Wird er es doch, verkauft die Fondsgesellschaft deine Anteile oder überträgt sie in einen anderen Fonds — beides kann Steuern auslösen, die du sonst 18 Jahre aufgeschoben hättest.
  • Laufende Kosten: Die Gesamtkostenquote, nicht die Sparplangebühr beim Broker. Die eine läuft 18 Jahre auf dein gesamtes Vermögen, die andere verschwindet, sobald du das Depot wechselst.

Was auf der Liste bewusst fehlt: die Wertentwicklung der letzten Jahre. Sie ist die meistgenutzte und die unbrauchbarste Kennzahl bei der Auswahl. Zwei ETFs auf denselben Index liefern nahezu dasselbe Ergebnis, und ein Index, der zuletzt vorn lag, ist deshalb nicht der bessere für die kommenden 18 Jahre.

Vier ETFs, die für ein Kinderdepot infrage kommen

Alle vier erfüllen die Kriterien von oben: weltweit gestreut, thesaurierend, physisch repliziert, Fondsdomizil Irland. Sie unterscheiden sich darin, wie weit der Index greift und was er kostet.

ETFIndexAktien im FondsTER p. a.VolumenAuflage
Vanguard FTSE All-World (Acc)
IE00BK5BQT80
FTSE All-World3.7580,14 %52,0 Mrd. €2019
iShares Core MSCI World
IE00B4L5Y983
MSCI World1.2800,20 %127,3 Mrd. €2009
SPDR MSCI ACWI IMI
IE00B3YLTY66
MSCI ACWI IMI4.9570,17 %7,6 Mrd. €2011
Amundi Prime All Country World (Acc)
IE0003XJA0J9
Solactive GBS Global Markets3.4320,07 %3,0 Mrd. €2024
Alle Angaben laut justETF, Stand 31. Juli 2026. Alle vier Fonds sind thesaurierend, physisch repliziert und in Irland aufgelegt.

Der Vanguard FTSE All-World ist der naheliegendste Kandidat, wenn du nur einen Fonds haben willst. Industrieländer und Schwellenländer in einem Produkt, 52 Milliarden Euro Volumen, und die Kosten sind zuletzt auf 0,14 Prozent gesunken. Wenn du dich zwischen den Indizes nicht festlegen willst, ist das dein Fonds.

Der iShares Core MSCI World ist der größte von allen und der älteste. Er lässt die Schwellenländer komplett weg — 23 Industrieländer, 1.280 Aktien, und 69 Prozent davon USA. Hier ist die Streuung am geringsten und das Risiko tendenziell am höchsten.

Der SPDR MSCI ACWI IMI geht am weitesten: Industrieländer, Schwellenländer und zusätzlich kleine Unternehmen. Mit 7,6 Milliarden Euro ist er der kleinste der drei etablierten Fonds, aber weit über jeder kritischen Schwelle. Wenn dir maximale Streuung wichtig ist, ist das dein Fonds.

Der Amundi Prime All Country World ist mit 0,07 Prozent der günstigste — und mit Auflage im Juni 2024 der jüngste. Drei Milliarden Euro in gut zwei Jahren sprechen dafür, dass er bleibt. Nur: Beim Kriterium „Alter“ ist er der Einzige, bei dem ich ein kleines Fragezeichen setze, und er bildet einen Solactive-Index ab statt der bekannten FTSE- oder MSCI-Familie. Inhaltlich ist der Unterschied gering, aber er existiert.

Achtung

Die Zahlen bewegen sich. TER, Fondsvolumen und Zusammensetzung ändern sich laufend — der Vanguard hat seine Gebühr zuletzt gesenkt, andere Anbieter ziehen nach. Prüf die aktuellen Werte im Factsheet des Anbieters oder auf einem Fondsportal, bevor du einen Sparplan einrichtest. Und: Das hier ist meine Einordnung als Vater und Finanzredakteur, keine Anlageberatung. Welcher Fonds zu eurer Situation passt, entscheidet ihr.

MSCI World oder FTSE All-World: Wie viel USA willst du im Depot?

Das ist die einzige inhaltliche Entscheidung, die du wirklich treffen musst. Der Unterschied lässt sich an einer Zahl festmachen: Im iShares Core MSCI World stecken 69 Prozent USA, im Vanguard FTSE All-World 59 Prozent. Beide sind damit amerikalastig — der All-World nur etwas weniger, weil China, Taiwan, Indien und Brasilien mit rund zehn Prozent dazukommen.

Für den MSCI World spricht: Er investiert nur in Länder mit stabilen Rechts- und Kapitalmarktstrukturen. Und Schwellenländer haben seit etwa 2011 durchgehend schlechter abgeschnitten als die Industrieländer.

Für den All-World spricht: 18 Jahre sind lang. Wer 2008 gesagt hätte, dass Taiwan 2026 mehr wiegt als Deutschland, wäre ausgelacht worden. Genau deshalb ist es mir bei einem Depot mit dieser Laufzeit lieber, dass der Index die Gewichte selbst verschiebt, statt dass ich entscheide, welche Weltregion in zwei Jahrzehnten zählt.

Die Renditeunterschiede zwischen beiden Indizes sind über lange Zeiträume gering. Es geht hier nicht um mehr Ertrag, sondern darum, wie viele Entscheidungen du dem Index überlässt.

0,13 Prozentpunkte sind über 18 Jahre rund 600 Euro

Kosten sind das Kriterium, über das am meisten geschrieben wird. Deshalb einmal konkret, gerechnet mit 100 Euro im Monat, 18 Jahren und sieben Prozent Bruttorendite:

  • 0,07 Prozent (Amundi Prime): rund 43.000 Euro
  • 0,20 Prozent (iShares Core MSCI World): rund 42.400 Euro
  • 1,50 Prozent (typischer aktiv gemanagter Kinderfonds): rund 36.900 Euro

Zwischen dem günstigsten und dem teuersten ETF in der Tabelle liegen also rund 600 Euro — bei einem Endwert von über 42.000. Das ist Geld, keine Frage. Aber es ist nicht die Entscheidung, an der dein Sparplan hängen sollte.

Der Sprung zum aktiv gemanagten Fonds kostet dagegen über 6.000 Euro oder 14 Prozent des Endwerts. Genau das ist der Grund, warum ein ETF fürs Kind überhaupt zur Debatte steht. Wer sich zwischen zwei Welt-ETFs nicht entscheiden kann, hat die wichtige Entscheidung längst getroffen — und sollte den Rest nicht zerdenken.

Wie sich Rate, Laufzeit und Rendite auf den Endwert auswirken, kannst du im Rechner im Ratgeber zum Geldanlegen für Kinder selbst durchspielen — inklusive der Frage, was die Inflation davon übrig lässt.

Warum ich selbst zwei Positionen halte

Eine Unstimmigkeit gehört an diese Stelle: Ich schreibe hier, dass ein ETF reicht — und halte für meinen Sohn zwei. Einen Industrieländer-ETF als Basis, dazu einen kleineren Schwellenländer-Baustein.

Der Grund ist kein besserer, sondern ein historischer: Als ich anfing, war die Kombination aus zwei Bausteinen die gängige Lösung, weil es günstige All-World-ETFs in dieser Form noch nicht gab. Der Vorteil daran ist, dass ich das Verhältnis der beiden selbst bestimme, statt es dem Index zu überlassen. Der Nachteil ist, dass ich es eben auch bestimmen muss.

Würde ich heute neu anfangen, würde ich einen einzigen All-World-ETF besparen. Umschichten werde ich trotzdem nicht: Der Verkauf der bestehenden Position würde Steuern auslösen, und der Unterschied ist zu klein, um das zu rechtfertigen. Das ist übrigens ein Muster, das dir bei diesem Thema oft begegnen wird — die zweitbeste Lösung, die schon läuft, schlägt die beste, für die du etwas anfassen musst.

Mein Fazit: Ein thesaurierender All-World-ETF ist die einfachste Wahl

Wenn du eine Antwort und keine Liste willst: Nimm einen thesaurierenden ETF auf einen weltweiten Index mit Schwellenländern, achte auf ein Fondsvolumen im Milliardenbereich, und dann richte den Sparplan ein. Der Vanguard FTSE All-World ist dafür der naheliegendste Kandidat, der SPDR MSCI ACWI IMI die breitere Variante.

Die Auswahl ist nicht der Punkt, an dem dieses Depot gewonnen oder verloren wird. Das passiert bei zwei anderen Fragen: ob du früh genug anfängst — und auf wessen Namen das Depot läuft. Beides steht im Ratgeber zum Geldanlegen für Kinder.

Häufige Fragen zum ETF für Kinder

Welcher ETF ist der beste für Kinder?

Es gibt keinen besten, aber eine naheliegende Wahl: ein thesaurierender ETF auf einen weltweiten Index, der Industrie- und Schwellenländer abdeckt, mit Fondsvolumen im Milliardenbereich und laufenden Kosten unter 0,25 Prozent. Der Vanguard FTSE All-World und der SPDR MSCI ACWI IMI erfüllen das beide. Welcher es davon wird, macht über 18 Jahre kaum einen Unterschied.

Kann ich für mein Kind in einen ETF investieren?

Ja. Du kannst entweder ein Junior-Depot auf den Namen deines Kindes eröffnen — dafür brauchst du Geburtsurkunde und die Zustimmung beider Sorgeberechtigten — oder in deinem eigenen Depot einen separaten Sparplan fürs Kind laufen lassen. Beides hat Vor- und Nachteile, und die Entscheidung lässt sich später kaum rückgängig machen.

Sind ETFs für Kinder steuerfrei?

Nicht automatisch, aber in der Praxis meistens. Ein Kind hat eigene Freibeträge von zusammen 13.384 Euro Kapitalerträgen im Jahr — dafür brauchst du eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt, die du bei der Bank einreichst. Bei thesaurierenden ETFs fällt jährlich die Vorabpauschale an; sie berechnet sich 2026 aus einem Basiszins von 3,20 Prozent und liegt bei üblichen Depotgrößen deutlich unter den Freibeträgen.

Thesaurierend oder ausschüttend für das Kinderdepot?

Thesaurierend. Die Erträge werden automatisch wieder angelegt, du musst nichts tun, und die laufenden steuerpflichtigen Erträge fallen niedriger aus als bei einem ausschüttenden Fonds. Das ist vor allem dann relevant, wenn das Depot auf den Namen des Kindes läuft und die beitragsfreie Familienversicherung erhalten bleiben soll.

Wie viele ETFs braucht ein Kinderdepot?

Einer genügt. Ein weltweiter Index enthält je nach Variante zwischen 1.300 und 5.000 Aktien — zusätzliche Regionen- oder Themen-ETFs erhöhen vor allem den Verwaltungsaufwand. Ein zweiter Baustein ergibt nur Sinn, wenn der erste eine Lücke lässt, die du bewusst schließen willst, etwa Schwellenländer beim MSCI World.

Was passiert, wenn der ETF geschlossen wird?

Dein Geld ist nicht weg — ETF-Vermögen ist Sondervermögen und von einer Pleite des Anbieters nicht betroffen. Der Fonds wird entweder aufgelöst und ausgezahlt oder mit einem anderen verschmolzen. Beides kann allerdings als Verkauf gelten und Steuern auslösen, die du sonst bis zum Ende der Laufzeit aufgeschoben hättest. Deshalb der Blick auf Fondsvolumen und Alter vor dem Kauf.

Geschrieben von
Gründer von dadbase und Vater eines Dreijährigen

Hi, ich bin Sebastian, Vater eines dreijährigen Sohns und Betreiber von dadbase. Auf diesem Portal schreibe ich über alle Themen, die mich als Vater umtreiben und teile dabei meine persönlichen Erfahrungen.

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